Häufige Fragen
![]() | Reicht nicht die "mittlere Reife" für mein Kind? |
Viele Eltern auf dem Land - ganz anders die Eltern in der Stadt, unter denen viele Akademiker sind - stellen sich die Frage, ob nicht die "mittlere Reife" (also der Realschulabschluss bzw. jetzt auch der Werkrealschulabschluss) für das Kind ausreicht. Oft haben sie selbst "nur" den Hauptschulabschluss oder die mittlere Reife und sind "dennoch etwas geworden". Warum also das Abitur?
Dazu ist Folgendes zu sagen:
1. Reichte früher ein Hauptschulabschluss sehr gut für viele Berufe aus, stellen heute viele Betriebe nur noch Schüler/-innen mit mittlerer Reife und Abitur ein. Aus diesem Grund forderten deshalb ortsansässige Betriebe in und um Bad Schussenried vor kurzem, dass Schüler/-innen am Ort das Abitur machen können.
2. Die gesellschaftlichen Anforderungen sind stark gestiegen. So erfordert heute z.B. jeder Beruf gute Englischkenntnisse. Mehr Kenntnisse als früher sind auch im Bereich des "Vernetzungswissens" erforderlich (Verantwortungsbewusstsein etc.), im IT-Bereich - und in Vielem mehr. Vergleiche den Punkt "Der ‚Mehrwert' des Abiturs".
3. Der Hauptschulabschluss ist in manchen Bundesländern schon ganz abgeschafft, bei uns wird er durch die Einführung der Werkrealschule stark reduziert. Das bedeutet: Die "mittlere Reife" wird zum Standardabschluss. Wer seinem Kind also etwas mehr Chancen mitgeben will, sollte über die "mittlere Reife" (die eben in vielen Ländern praktisch schon die "untere Reife" ist) hinaus denken.
4. Die OECD fordert auch von Deutschland, dass die Abiturquote erhöht wird und im Anschluss mehr Menschen ein Studium durchführen. Bildung ist das wichtigste Potenzial (der wichtigste "Rohstoff") Deutschlands.
5. Studien belegen, dass der Abschluss Abitur erhöhte Lebenschancen mit sich bringt. Es minimiert gesellschaftliche Risiken wie Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit (vgl. Zahlen und Fakten).
![]() | Ist die Realschule das "bessere G 9"? Mein Kind kann doch auch nach der Realschule oder der Werkrealschule das Abitur machen! |
Noch unter dem Eindruck der Diskussion um G 8 schicken viele Eltern ihr Kind auf die Realschule, weil es dort angeblich ruhiger zugeht, weil dort langsamer gelernt wird, weil es im Anschluss an die "mittlere Reife" (nach 6 Jahren Realschule oder Werkrealschule) ja auf den beruflichen Gymnasien (nach weiteren 3 Jahren) auch das Abitur "nachmachen" kann.
Diese Rechnung geht leider sehr oft nicht auf. Denn:
1. Die Plätze an den beruflichen Gymnasien reichen vielerorts längst nicht aus. Dies vermelden Presse und Rundfunk immer wieder.
2. 15 % der Plätze an den beruflichen Gymnasien sind für Gymnasiasten reserviert.
3. Oftmals sind die Klassen in den Realschulen größer, sodass das Lernen dort auch nicht leichter ist.
4. Viele Kinder sind in der Realschule unterfordert (es geht ja die große Masse im ländlichen Raum an die Realschule) und leiden an der Unterforderung so, dass ihre Lernmotivation dauerhaft geschädigt wird. Das bedeutet: Wer hier eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium be-kommt, sollte es auf dem Gymnasium versuchen. (S. auch den nächsten Punkt "Unterforderung" für das Kind).
5. Das Abitur am beruflichen Gymnasium ist zwar "gleichwertig", nicht aber "gleichartig". (S. den Punkt "Der Mehrwert des Abiturs").
![]() | Kann mein Kind auch "unterfordert" werden? |
Seit der oft falsch oder doch zumindest problematisch gelaufenen Diskussion um G 8 glauben viele Eltern, ihren Kindern etwas Gutes zu tun, wenn sie ihrem Kind möglichst lange niedrige Anforderungen stellen: Es soll möglichst lange spielen können; es soll möglichst viel Freizeit haben; es soll möglichst viel bummeln können uva. Dass sie damit die Potenziale, die in ihrem Kind stecken, häufig nicht erkennen, häufig missachten; dass sie ihrem Kind zu wenig zutrauen, ihm Entwicklungschancen nehmen, wird hier in Deutschland oft zu wenig gesehen.
Leider herrscht in Deutschland oft ein Klima der "Leistungsrepression" und kein Klima der "Leistungsfreude". Es kann schön sein, die eigenen Talente zu entdecken und sie auszuprobieren!
![]() | Ist der Umweg besser als der direkte Weg? |
Vielleicht lohnt es, sich einmal die Frage zu stellen, warum ich meinem Kind den (gar nicht so sicheren) Umweg gehen lassen will und nicht den direkten Weg? Warum nicht ein Jahr Lebenszeit sparen, das das Kind sinnvoller durch ein früheres Studium, einen früheren Berufsstart oder eine Auslandsreise verbringen kann? Warum ihm den Wechsel zumuten, wenn der direkte Weg innerhalb ein und derselben Schule zum Ziel führt?
Die Umwege sind möglich, aber volkswirtschaftlich nicht sinnvoll. Ein "kürzerer Weg wäre erstrebenswert" (Professor Reinhöffer von der PH Weingarten 2008).
![]() | Kann mein Kind nicht später noch auf das Gymnasium wechseln? |
Ein Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule ist immer möglich, wenn Ihr Kind Französisch als zweite Fremdsprache nach Englisch wählt. Wenn es Latein als zweite Fremdsprache wählt, muss es an der Realschule das Kombinationsfach MUM belegen, das aber leicht nachzulernen ist.
Ein Wechsel von der Realschule auf das Gymnasium ist in oder nach Stufe 5 relativ unproblematisch. Ab Stufe 6 wird der Wechsel deutlich schwieriger, da am Gymnasium spätestens in Stufe 6 die zweite Pflichtfremdsprache dazukommt. Dennoch gibt es immer wieder motivierte Schülerinnen und Schüler, die auch diesen Sprung schaffen.
Im Übrigen kann Ihr Kind unter bestimmten Voraussetzungen auch nach Stufe 9 am allgemein bildenden Gymnasium auf das berufliche Gymnasium wechseln, wo es noch drei Jahre bis zum beruflichen Abitur hat (also 9 + 3 = 12). Es kann aber auch nach Stufe 10 aufs berufliche Gymnasium wechseln und dann drei Jahre dort verbringen (also 10 + 3 = 13). Dennoch sind auch hier die Aufnahmemöglichkeiten der beruflichen Gymnasien beschränkt.
Zu den Abschlüssen am allgemein bildenden Gymnasium: Mit Abschlusszeugnis Stufe 9 hat Ihr Kind am Gymnasium den Hauptschulabschluss erreicht, mit Abschlusszeugnis Stufe 10 die mittlere Reife.
![]() | Bleibt mein Kind in G8 nicht leichter sitzen? |
Diese Angst zeigt sich als unbegründet! Seit 2001 gehen die Nichtversetztenquoten an den Gymnasien zurück. Sie stehen momentan im landesweiten Schnitt bei 2,5 %, liegen im ländlichen Bereich hier noch deutlich darunter.
Die landesweite Nichtversetztenquote an den Realschulen liegt im Moment bei 4 %. Wir verweisen hier auf das Stichwort "Zahlen und Fakten" in der linken Navigation.
![]() | Was unterscheidet das Abitur des allgemein bildenden Gymnasiums vom Abitur des beruflichen Gymnasiums? |
Beim allgemein bildenden Abitur steht die Persönlichkeitsentwicklung im Vor-dergrund. Dieser Ansatz wird durch den Bildungsplan 2004 und die moderne "Kompetenzorientierung" verstärkt. Der Weg geht weg von der reinen Wissensfülle hin zur Reifung der gesamten Persönlichkeit im Hinblick auf Verantwortung, sozialem Bewusstsein und Stärkung der Ich-Identität. Der Grundansatz ist, dass eine Entwicklung zur Freiheit auch die kognitiven, emotionalen und kreativen Kräfte für ein verantwortliches und produktives Leben in der Gesellschaft freisetzt. Insofern steht über die Fachorientierung hinaus (zum Beispiel in den naturwissenschaftlichen Fächern, in Mathematik oder den Sprachen) immer die ganzheitliche Bildung (Kunst, Musik, Sport, Religion, Ethik) im Zentrum.
Das Kultusministerium 2008 zum allgemein bildenden Abitur: "Mit dem Abitur sind beste Voraussetzungen für ein Hochschulstudium und für verantwortungsvolle berufliche Positionen in allen Bereichen gegeben."
Demgegenüber sind der Realschulabschluss und der Abschluss am beruflichen Gymnasium unmittelbarer an einer Berufsorientierung angesetzt und somit verengter.
Das Kultusministerium 2008 zum Abitur am beruflichen Gymnasium: "Es bereitet die Schülerinnen und Schüler auf das Studium an der Hochschule und - durch seine fachlichen Ausrichtungen - in besonderer Weise auf das Berufsleben vor."

